sabato 20 dicembre 2025

an Dieter und Sam und an Antje

Ich schlich in diesen Schulfluren und -zimmern herum und hoffte immer, in der Pause und in der Stunde und noch zu Hause am Nachmittag, dass mich keiner erwischen würde, mir niemand

dahinter käme. Ein über meine Erklärungen entsetzter Kunstlehrer hat die Frage einmal ausgesprochen: "Was willst du eigentlich hier?" Ja, was wollte ich? Irgendwie lernen, aber doch nicht da, nicht das, nicht mit denen und nicht so. 


Schließlich haben sie mich zwar gekriegt und ich habe ein Jahr wiederholen müssen. Ich habs aber doch, Glück im Spiel, bis zum Ende geschafft.


Ihr dagegen seid einfach herausgefallen und weg. Sicher war es keine Frage der Intelligenz. Wiggi und der A und die B, alle drei Lehrerkinder, die Streber und Klassenbesten, waren gewiss nicht klüger als Ihr Fortgestoßenen. Wart ihr zu faul? Aber doch nicht fauler als ich.


Antje, nun, die kriegte ein Kind und verschwand mit ihrem Mann in der Vorstadt, wo keiner von uns hinkam. Nennen wir das hormonelle Auslese. Aber ihr anderen?


Es gibt bei diesem Drinbleiben oder Rausfallen nichts zu erzählen. Es geschieht einfach. Bleibt nur ein Gruß aus der Ferne.

sabato 5 aprile 2025

Liebe Zwergschule

In der Mitte unseres Dorfes, gegenüber der Kirche, stand das Schulgebäude. Oben wohnte der Lehrer, unten gab es den Klassenraum, einen für acht Klassen. Zu zweit oder zu dritt saßen wir in einer Reihe und zählten jeweils als die erste, zweite oder achte. 

Unser Lehrer stand etwa alle 40 Minuten neben uns, erklärte, was zu tun sei und ließ uns dann wieder allein. In aller Ruhe arbeiteten wir vor uns hin oder dösten. Hausaufgaben hatten wir nie. Um zwölf war, mit dem Kirchturmschlag, die Sache beendet.

Ich weiß nicht, warum sie Dich abgeschafft haben. Wir kamen in eine moderne helle Grundschule, wo eine junge Lehrerin, die sich unentwegt um uns kümmerte, fast in Tränen ausgebrochen wäre, als sie einmal bemerkte, dass ich Hausaufgaben nicht zu Hause machte, sondern die Antworten improvisierte, da das ja so Dödeliübungen waren. Ihr "Tu das nie wieder! Hörst du?" hallt mir noch heute im Ohr. Das war meine erste Begegnung mit der neuen Kultur, in welcher die Lehrer nicht nur, schrecklich genug, vormittags vier oder fünfmal 45 Minuten lang, sondern gar am Nachmittag auf unsere ununterbrochene, ungetrübte, ungeteilte Aufmerksamkeit Anspruch zu haben behaupteten. 


Ich habe mich vermutlich nur oberflächlich an die neue Kultur gewöhnt. Bis heute ist mir nicht klar, warum sich ein Schüler unentwegt um jemanden anders kümmern soll, statt nach kurzer Unterrichtung zufrieden im eigenen Kopfe zu kreiseln.  


In der vergangenen Zeit waren wir Kinder vor allem in Ruhe gelassen worden. 


martedì 26 marzo 2024

Uh signur!

Im Buch über Häuser des Herrn Bianconi gibt es tatsächlich einen Fehler. Er erzählt da, wie er in einer casa di ringhiera gewohnt habe, einem typischen Mailänder Haus, in dem man über einen offenen Gang wie einen langen Balkon in die eigene Wohnung kommt, naturgemäß nicht, ohne von einer aufmerksamen Nachbarin gesehen worden zu sein. 

Diese, erzählt er, habe angesichts seiner Gothic, also schwarz und leichenhaft hergeputzten Begleiterin, die zu betrachten die Nachbarin eigens Blumen gießen auf den geteilten Balkon gegangen war, ausgerufen: "Oh Signore!", also etwas wie "Oh Gott!" Das kann nun nicht sein, da Damen dieser Art nicht Italienisch zu sprechen pflegen wie der Herr Bianconi aus der Toskana, sondern Milanese. "Uh signur!", müsste sie daher gerufen haben, etwa so, wie ich es in Mailand die alte Dame im Bus habe ausrufen hören, nachdem sich das schwarze Mädchen vor ihr umgedreht hatte und in seiner fremden Schönheit ihr erschienen war. Danach hatte sie, weil das Mädchen erschrocken schien, ihr die Hand auf die Schulter gelegt und ihr beruhigend zugebrüllt: "Besser eine aus Afrika als eine aus dem Süden!" Wie man all diese Ausländer  eben so sieht als Mailänderin.

venerdì 26 gennaio 2024

Lieber Esel,

als die Siftsgründerin Marswidis um das Jahre 940 herum  mit ihrer ihr vom Papst überreichten Reliquie Johannes des Täufers, die sie am Hals in einem Kästchen getragen haben soll, von Rom nach Schildesche, ins Westfalenland zurückreiste, seist, so die Überlieferung, du in den Alpen in einen tiefen Abgrund gestürzt. Wenige Tage später sollst du, als von den Toten auferstandener Esel, wieder vor der Reisenden gestanden haben. Was aus dir, doch wohl: heiligem Esel! im weiteren Leben geworden sei, wird nicht überliefert. Die Einrichtung eines Wallfahrts- oder Hoffnungsorts böte sich ja an.


venerdì 15 settembre 2023

Liebes Badezimmer in der Bozener Jugendherberge!

Die Jugendherberge in Bozen ist an sich eher spartanisch eingerichtet, wie wir das ja auch erwarten. Deine Badezimmer aber verbergen etwas, was in deutschen Landen an Luxus und Sünde erinnert, nämlich Bidets. Schwer, sich deutsche Wandervögel vorzustellen, welche dort nach einem langen Tag und verrichteter Notdurft oder womöglich vor einem so oder anders zu treibendem Verkehr die Klampfe beiseite legten und auf diesem Porzellangefäß Platz nähmen, um sich da unten herum zu säubern. 

Nun ist die Jugendherberge eine deutsche Erfindung und Bozen war ja wohl mal nicht ausschließlich, aber mehrheitlich deutschsprachig. Dann ist es, wie ganz Südtirol, zwei Jahrzehnte oder eher vier oder fünf lang, recht rabiat italianisiert worden, weshalb da in der Gegend zum Beispiel das liebliche Dörfchen Moos auf einmal Moso hieß und seitdem etwas ratlos in die Berge schaut. 

Angesichts des Bidets in der Jugendherberge kommen wir entsprechend ins Träumen. Wie ein Parteifunktionär in schwarzer Uniform aus Rom rotköpfig sich die deutschen Bäder ohne Bidet der Jugendherberge anschaut und losbrüllt: "Cul-t-t-tu-ra it-t-t-t-aliana! Esiguo! Immediatamente! Bidet qui dentro!" Wie dann ein singender Arbeitsdienst anrückt und schunkelnd in jedem Bad ein solches Ding montiert.  

Vielleicht ist die Verwandlung auch erst später eingetreten. Eine Absolventin des Studiengangs Kulturvermittlung hat, als unbezahlte Praktikantin irgendwo, darauf hingewiesen, dass die Jugendherberge in Bolzano ein Ort des Kulturkontakts sei, dass in Dir, liebes Badezimmer, also Unterleiber mit verschiedenen Wahrnehmungsfeldern sich einfinden würden, worauf auch badezimmertechnisch Rücksicht zu nehmen sei. Woraufhin der Leiter der Herbergsstätte stöhnend das Geld auf den Tisch gelegt hätte. Nein, der wusste natürlich, dass italienische Gäste ihm jeden Review versauen würden, wenn sie da in Bolzano nicht ihr Bidet vorfänden. Alle würden mit den Worten beginnen: "Wir sind in Italien!" 




 

giovedì 17 agosto 2023

Liebes Bidet,

die in Italien kehren immer gern aus Frankreich oder Deutschland zurück und krähen zu Hause heraus, die hätten keine Kultur da, hätten nämlich nicht einmal Dich im Badezimmer stehen, weshalb ein kultivierter Mensch sich, in solchen Ländern unterwegs, unten rum immer sehr sehr, ehm, mit gesenkter Stimme oder auch ganz laut: schmutzig fühle. 

Auch ein inzwischen verstorbener ehemaliger Ministerpräsident und Vorsänger der Canzone napoletana hat ja dazu seinem Volke erklärt, die im Norden seien sexuell ein wenig grobschlächtig und kännten das Vorspiel nicht, weshalb sie eben Dich nicht hätten, meist weiß glänzendes Bidet!

Das ist nun, wie ich aus berufener Quelle erfahren habe, nicht ganz richtig. Ein Herr, welcher mir in den achtziger Jahren seine Wohnung in der Sonnenallee vermieten wollte, hatte Dich, liebes Bidet, nämlich im Badezimmer montieren lassen, wozu er mir strahlend erzählte, er habe seinerzeit, wie man ja sagt, die Adolf-Hitler-Schule besucht, ein Internat für vielversprechende kleine Nazis, wo Du schon gestanden habest, mitten im goldenen Raum seiner Kindheitserinnerungen.

Die Schüler hätten abends vor dem Schlafengehen auf einen Ruf wie "Arschkontrolle!" oder "Deutsche Ärsche!" sich in einer Reihe aufgestellt, die Schlafanzughosen heruntergezogen und sich gebückt, woraufhin ein Ober- oder Unterscharführer oder etwas hinter ihnen vorbei gegangen sei und die Popos beäugt habe, wie mir der Vermieter berichtete, worauf er seinen Po rausstreckte und kräftig draufschlug. 

Kultur taucht eben mal hier auf, dann wieder da, und so ist alles ein stetes Herumgucken.


martedì 8 agosto 2023

Liebes Tamagotchi,

als Du in die Welt tratest, liebes Taschenhaustier, habe ich Dich nicht recht beachten wollen, ich in Büchern versteckt, also nur hier und dann gelesen oder gehört von Dir, Du Kleines, von Deinen Nöten, Deinem Hunger, Deinen Defäkationen und Traurigkeiten. 

Bei allem piepstest Du leise und Dein Herrchen oder Frauchen oder was beeilte sich dann, sah Dich an und stand Dir bei. Denn sonst littest Du, rächtest Dich wohl auch später als schlecht erzogenes Dings und: sterben und ein Engelchen werden, das konntest Du auch. 

Ich habe Dich ignoriert, Tamagotchi. So habe ich ein Stück Weltgeschichte versäumt und das rächt sich nun, wenn ich den täglichen Intelligenztest nicht bestehe und nicht rechtzeitig das passende weiße Kabel mit dem richtigen kleinen oder ganz kleinen weißen Anschluss aus dem richtigen Knäuel herauswickle und irgendetwas, oder besser jemand? sich vernachlässigt fühlt und, womöglich mit einem leisen Piep wie einem leisen Weinen von etwas Kleinem, sich verabschiedet. 

Du hättest mich beizeiten auf diese Welt von Dingern, die mich ansehen und etwas wollen von mir, von Prüfungen nach täglichem Stundenplan vorbereitet, liebes Dings.  

an Dieter und Sam und an Antje

Ich schlich in diesen Schulfluren und -zimmern herum und hoffte immer, in der Pause und in  der Stunde und noch zu Hause am Nachmittag, dass...